
Ayurveda
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Ayurveda findet in der westlichen Welt immer mehr Anklang. Meist wird die fernöstliche Heilweise jedoch nur mit entspannenden Massagen und exotisch gewürzten Speisen in Verbindung gebracht. Hinter der „Wissenschaft des Lebens“ steckt aber noch viel mehr. |
Vegetarisch-fit!-Expertin Monique Zenker,Ernährungswissenschaftlerin der Akademie Gesundes Leben in Oberursel |
Typgerecht ernähren mit Ayurveda
„Mutter aller Heilkünste“ – diesen Begriff findet man häufig im Zusammenhang mit Ayurveda. Viele Forscher sehen die traditionelle indische Heilmethode heute als älteste medizinische Wissenschaft an. Sie basiert auf den Veden, den ältesten heiligen Schriften Indiens. Erste Beschreibungen finden sich dort schon vor mehr als 5.000 Jahren. Über die Jahrhunderte hinweg sammelten Priester, Ärzte und Gelehrte umfangreiches Wissen über die Gesunderhaltung des Körpers sowie die Entstehung und Heilung von Krankheiten. Dadurch entwickelte sich Ayurveda zu einer der bedeutendsten Heilmethoden weltweit, in der beispielsweise auch die traditionelle chinesische Medizin ihren Ursprung hat.
Die fünf Elemente
Die ayurvedische Philosophie basiert auf der Lehre der fünf Elemente Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Sie sind nicht nur die Bausteine der Natur, sondern finden sich auch im menschlichen Körper wieder. Von Geburt an verfügt jeder Mensch über eine bestimmte Zusammensetzung der fünf Elemente (Prakruti), welche über die individuelle Grundkonstitution sowie über Charaktermerkmale und Aussehen bestimmt. Die fünf Elemente formen die drei Lebensenergien Vata (Äther und Luft), Pitta (Feuer und Wasser) und Kapha (Wasser und Erde). Diese steuern alle körperlichen und geistigen Abläufe im Organismus und ergänzen sich gegenseitig, so dass ein harmonisches Zusammenspiel entsteht.
Die drei Doshas
Im Körper wird Energie benötigt, um Flüssigkeit und Nährstoffe in die Zellen zu transportieren, diese zu verwerten und die Struktur der Zellen aufrechtzuerhalten. Jede der drei Lebensenergien (Doshas) hat ihre Aufgabe. So ist beispielsweise Vata für die geistige und körperliche Bewegung zuständig. Pitta steuert die Verdauung und den Stoffwechsel. Kapha regelt Aufbau und Struktur des Körpers. Jeder Mensch besitzt Eigenschaften von Vata, Pitta und Kapha. Eine ist jedoch in der Regel dominant, während die beiden anderen Lebensenergien weniger ausgeprägt sind. Egal, wie das Verhältnis der einzelnen Doshas zueinander ist, im Normalfall besteht ein harmonisches Gleichgewicht, das für jeden Menschen individuell ist. Kommt es jedoch zu einem Mangel an Vata, Pitta oder Kapha, entstehen Ungleichmäßig-keiten, die sich in Form von Krankheiten ausprägen können. Das eigentliche Ziel des Ayurveda ist, die Lebensenergien im Gleichgewicht zu halten bzw. sie wieder dorthin zu bringen. Dabei spielt neben dem allgemeinen Lebensstil die Ernährung eine wichtige Rolle.
Die Lehre der Gunas
Neben den Doshas ist der Mensch durch drei weitere Eigenschaften geprägt: die so genannten Gunas. Sie heißen Tamas, Rajas und Sattva. Tamas bewirkt Trägheit, Rajas treibt zum Handeln an, Sattva steht für Ausgeglichenheit und Reinheit. In der ayurvedischen Ernährungslehre werden die Lebensmittel je nach ihrer Wirkung auf den Körper in entsprechende Kategorien eingeteilt. Danach gibt es sattvische Lebens- mittel welche Freude und Glück hervorrufen, ausgleichend und nährend wirken. Sattvisch sind vor allem vegetarische Lebensmittel wie frische und getrocknete Früchte, rohes oder schonend gekochtes Gemüse, Salate, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, Honig, Kräuter, frische Milch und geklärte Butter (Ghee). Die sattvische Ernährung ist gut verdaulich, sorgt für Energie und Lebenskraft. Rajasische Lebensmittel fördern Aktivität und Leidenschaft, wecken aber auch Gier und Egoismus. Dazu zählen stark gewürzte und verarbeitete Nahrungsmittel, Essig, Senf, saure Sahne, Kaffee, Tee, Fisch, Eier, zu heiß gebratene Speisen und auch die Eigenschaft hastig zu essen. Tamasisch sind viele nicht-vegetarische Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Fisch, aber auch Konserven, verkochte oder verdorbene Speisen sowie Tiefkühlkost und in der Mikrowelle zubereitete Gerichte. Tamasische Lebensmittel führen nach der ayurvedischen Philosophie zu Trägheit, Depressionen und Furcht. Eine ausgewogene Ernährung im Sinne von Ayurveda besteht überwiegend aus sattvischen Lebensmitteln.
Die sechs Rasas
Eine weitere Einteilung der Lebensmittel wird im Ayurveda hinsichtlich der sechs Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter, scharf und herb vorgenommen. Die Geschmacksrichtungen sind durch die fünf Elemente geprägt und wirken sich unterschiedlich auf die drei Doshas aus. Optimal zur Harmonisierung der Lebensenergien sind Speisen, die alle sechs Geschmacksrichtungen enthalten, wie es bei allen sattvischen Lebensmitteln der Fall ist.
Stärkung und Erhaltung der Doshas
Um das Gleichgewicht der Doshas zu erhalten, werden für die drei Konstitutionstypen Vata, Pitta und Kapha jeweils unterschiedliche Ernährungsempfehlungen gegeben. Vata-Typen benötigen einen geregelten Tagesablauf mit möglichst drei warmen Speisen und ausreichend warmen Getränken (z. B. Tee oder Ingwerwasser). Aufgrund ihrer empfindlichen Verdauung sind für sie vor allem gekochte, leicht verdauliche Speisen geeignet. Blähende, schlecht verträgliche Gemüsesorten wie Kohl, Zwiebeln, Paprika oder Pilze sind weniger empfehlenswert. Optimal sind die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig. Pitta-Typen sollten kalte und warme Speisen essen, Heißes jedoch meiden. Ideal sind süße, bittere und herbe Lebensmittel. Genussmittel wie Alkohol und Kaffee sollten diese Konstitutionstypen nur in Maßen genießen. Für Kapha-Typen ist es wichtig, schwere, gebratene und ölige Speisen zu meiden. Stattdessen sollten sie viel frisches Obst und Gemüse sowie leichte, anregende Speisen bevorzugen. Die Geschmacksrichtungen scharf, bitter und herb wirken harmonisierend. Diese Ernährungsempfehlungen gelten für Doshas, die sich in einem ausgewogenen Verhältnis befinden. Sobald das Verhältnis der drei Lebensenergien zueinander gestört ist, sollte die Ernährung ganz individuell auf ihre Harmonisierung ausgerichtet werden. Einen individuellen Ernährungs- und Therapieplan können ausgebildete Ayurveda-Mediziner erstellen.
Agni - das Verdauungsfeuer
Nach der ayurvedischen Lehre liegt der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden im Darm. Dort brennt Agni, das Verdauungsfeuer. Es setzt in der Nahrung enthaltene Nährstoffe frei und macht diese für den Körper verfügbar. Ist der Verdauungsprozess im Gleichgewicht, wird der Organismus gestärkt und anfallende Schlackenstoffe können in vollem Maße ausgeschieden werden. Brennt das Verdauungsfeuer allerdings zu stark oder zu schwach, kommt es zu Funktionsstörungen. Typische Symptome eines schwachen Agnis sind Müdigkeit, Blähungen, Verstopfung und fahler Teint. Regulierend wirken enzymreiche Lebensmittel und scharfe Gewürze wie schwarzer Pfeffer und Ingwer. Brennt Agni zu stark, kommt es zu Aufstoßen, Durchfall, Sodbrennen und Übererregbarkeit. Hier helfen kühlende Speisen wie Bananen und Rohkost. Scharfe Gewürze sollten bei zu starkem Agni gemieden werden.
Die goldenen Ernährungsregeln
1. Essen Sie möglichst regelmäßig und zu den gleichen Tageszeiten.
2. Die Speisen sollten ausgewogen sein und alle sechs Geschmacksrichtungen enthalten. Es sollte immer die individuelle Konstitution und Verdauungskraft berücksichtigt werden.
3. Nehmen Sie mittags die Hauptmahlzeit des Tages zu sich.
4. Essen Sie im Sitzen und in ruhiger Atmosphäre. Meiden Sie während des Essens Lesen, Fernsehen oder intensive Gespräche.
5. Essen Sie langsam und kauen Sie gut. Der Magen sollte immer nur zu zwei Dritteln gefüllt sein. Hören Sie auf Ihr Sättigungsgefühl!
6. Essen Sie erst, wenn die vorherige Mahlzeit verdaut ist und Sie ein Hungergefühl verspüren. Halten Sie dafür je nach persönlichem Empfinden drei bis sechs Stunden Abstand zwischen den einzelnen Mahlzeiten ein.
7. Die letzte Mahlzeit des Tages sollte nicht zu spät eingenommen werden und sollte leicht verdaulich sein.
Welcher Typ sind Sie ?
In der Regel ist eine der drei Doshas stärker ausgeprägt als die anderen. Es gibt aber auch Mischformen. Daher kann es gut sein, dass Sie sich in zwei Typenbeschreibungen wiedererkennen.
Der Vata-Typ
Vata-Menschen sind sprunghafte Wesen, getrieben von einem unruhigen Geist. Meist sind sie von schlanker, zierlicher Statur mit feingliedrigen Händen und Füßen. Sie haben kühle, zu Trockenheit neigende Haut und frieren leicht. Genauso wechselhaft wie ihr Gemüt ist auch ihr Appetit. Oft neigen sie zu Verstopfung und Blähungen. Einerseits sind sie kreativ und wortgewandt. Sie neigen aber auch zu Grübelei und Sorge.
Der Pitta-Typ
Pitta-Menschen verfügen über viel Energie, mit der Neigung sich zu überfordern. Meist haben sie einen athletischen, kräftig gebauten Körper. Ihre Haut ist warm und trocken, neigt jedoch zu Empfindlichkeit. Sie sind mit gutem Appetit und ebenso guter Verdauung gesegnet, denken optimistisch, scharfsinnig und weitblickend. Ihr Wesen ist leidenschaftlich und warmherzig.
Der Kapha-Typ
Kapha-Menschen sind ruhige Zeitgenossen. Sie haben einen schweren Körperbau und nehmen schnell an Gewicht zu. Ihre Haut ist weich und glatt, die Haare kräftig und voll. Wie ihr Gemüt ist auch ihre Verdauung eher träge, ihr Appetit mäßig. Kapha-Menschen sind besonnen, denken praktisch, sind anhänglich und treu. Ihr Handeln ist strebsam, beständig und solide.
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Verbände und Kliniken
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Habichtswald-Klinik Ayurveda
Wigandstraße 1, 34131 Kassel
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