
Aufbruch ins Grüne
Auf der ganzen Welt tragen die Menschen die Folgekosten von Umweltkatastrophen und Finanz-spekulationen. Der Finanzmarkt bietet eine Reihe von alternativen Produkten, die es möglich machen, das eigene Geld sowohl gewinnbringend als auch sinnstiftend anzulegen. Wer beispielsweise Atomkraft nicht länger finanziell unterstützen möchte, sollte auch seine Geldanlage überprüfen. Wir geben Ihnen hier einen Überblick über ehtisch-ökologische Banken und ihre Angebote.
Banken mit Anspruch
Wer Geld hat, kann die Welt verändern. Das weiß eigentlich jeder. In der Regel erfahren die Kunden jedoch nicht, was bei normalen Geldanlagen und während der Anlagedauer konkret mit ihrem Geld geschieht. Banken und Sparkassen leihen es regelmäßig wieder als Kredit aus. An wen, erfährt der Kunde nicht. Den Kredit kann ein Energieunternehmen, ein Rüstungsunternehmen oder ein Textilproduzent bekommen, der seine Ware von Kindern in Entwicklungsländern herstellen lässt. Wie die Nachfrage nach ethisch-ökologischen Banken zeigt, geben sich viele Anleger mit dieser Ungewissheit nicht mehr zufrieden.
Charakter zeigen
Nicht allen Banken ist der Profit wichtiger als moralische Bedenken. Eine Reihe ethisch-ökologischer Banken hat sich im Laufe der Jahre erfolgreich neben den Riesen behaupten können. Im Vergleich zu den „normalen“ Banken haben sie besondere Ansprüche an ihre Arbeit. Bei der Vergabe von Krediten schließen sie eine Reihe von Anlageprojekten aus. Kernenergie, Rüstung, Gentechnik in der Landwirtschaft sowie Unternehmen, die Kinderarbeit unterstützen, sind absolut tabu. Bereits Mitte der 70er Jahre nahm die erste sozial und ökologisch orientierte Bank in Bochum ihre Geschäfte auf. Erst ein Vierteljahrhundert später öffnet eine weitere Bank in Nürnberg ihre Pforten. Die dortige Umweltbank spezialisiert sich u.a. auf ökologische Haussanierungen. Einige Jahre danach folgt die EthikBank, die sich durch Unabhängigkeit von ideologischen, politischen, religiösen oder spirituellen Einflüssen auszeichnet.
Die Geldinstitute verfolgen ganz unterschiedlicheUnternehmensphilosophien. So können anthroposophische Gesichtspunkte oder eine Kreditvergabe ausschließlich an Umweltprojekte ausschlaggebend für das Tun und Handeln der Bank sein. Aber auch die Förderung von Frauen-, Ethik- und Umweltprojekten aus Kundenspenden und eigenen Mitteln stehen auf dem Plan. Alle Ökobanken haben dabei den Anspruch, das Geld ihrer Kunden sinnvoll arbeiten zu lassen. Beim Investieren z. B. in energieeffizientes Bauen oder in erneuerbare Energien sowie in ökologische Landwirtschaft versuchen alle Banken transparent zu arbeiten.
Die Mitarbeiter dieser Banken sind Bankkaufleute, Betriebs- oder Volkswirte – genau wie bei anderen Banken auch. Eine Bank ist eben eine Bank. Wie bei allen anderen Banken und Sparkassen übernimmt auch hier die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen die Kontrolle der Finanzgeschäfte.
Kleine Banken – große Wirkung
Allen grünen, ethischen und nachhaltigen Banken ist gemeinsam, dass sie im Vergleich zu herkömmlichen Banken klein sind. Aber auch mit geringen Mitteln lässt sich einiges bewirken. Gerade grüne Geldanlagen ermöglichen oft erst die notwendige Finanzierung ökologischer Unternehmen und Projekte. In den letzten Jahren ist ein Großteil der Gelder in die Errichtung von Windkraftanlagen, Biogas- oderSola rkraftwerken geflossen. Viele private Anleger haben durch den Kauf von Fondsanteilen somit zur Förderung der regenerativen Energienutzung beigetragen und nebenbei noch jede Menge neue Arbeitsplätze geschaffen. Fazit: Die Entscheidung für das Angebot einer Ökobank bringt einen eindeutigen Umweltnutzen.
Wechseln ja, aber wohin?
Grüne Banken im Alltag
Im Alltag funktionieren die Ökobanken wie jede andere Bank oder Sparkasse auch. Bei den meisten Banken ist es möglich ein Girokonto zu eröffnen, auf das der Lohn und andere Einnahmen fließen. Die monatlichen Umlagen können von dort aus abgebucht und überwiesen werden. Die EthikBank bietet z. B. auch Kunden ein Girokonto an, die sich in einer Privatinsolvenz befinden. Jedoch sind die meisten Banken keine Nachbarschaftsbanken. „Ich gehe mal kurz zur Bank“ gilt nur für Bewohner in größeren Städten. Dagegen sind die Banken fast rund um die Uhr über Internet, Telefon und per Briefpost erreichbar, genauso wie die Konkurrenz also auch. Zudem werden Tages- und Festgeld-konten sowie Sparpläne angeboten.
Wechseln konkret
1. Schritt
Girokonto: Ausfüllen eines entsprechenden Formulars der gewünschten Bank online
- ausdrucken oder per Post zuschicken lassen
- zum Legitimieren des Kontos mit Formular und Personalausweis zur Post gehen
- einige Tage später erfolgt die Übermittlung der notwendigen Informationen für Online- und Telefonbanking
2. Schritt
- Arbeitgeber, Behörden, Vermieter, Sportvereine etc. über die neue Bankverbindung informieren
- Daueraufträge umstellen und bei der bisherigen Bank stoppen
- die Kontoauszüge der letzten Monate durchgehen, um Abbuchungen, die nur einmal im Jahr erfolgen, nicht zu übersehen
3. Schritt
- Am besten das alte und neue Konto einige Wochen parallel führen, damit alle Vertragspartner den Kontenwechsel registriert haben!
- sobald alle Abbuchungen über das neue Konto laufen, dann schriftlich bei der alten Bank kündigen
- vorhandenes Guthaben auf das neue Konto übertragen
Sauber anlegen
Im Bereich nachhaltiger Geldanlagen stehen praktisch alle gängigen Finanzprodukte zur Verfügung, wie z. B. Aktien, Anleihen, betriebliche Altersvorsorgeprodukte, Beteiligungen, geschlossene Fonds, Genussscheine, Investmentfonds, Lebensversicherungen, private Altersvorsorgeprodukte, Renten-papiere, Sparbriefe, Sparkonten, Festgelder, Zertifikate.Die größte Gruppe der sauberen Fonds bilden die Aktienfonds Welt. Auch Themenfonds bieten eine ethische Geldanlage z. B. im Bereich Mikrokredit-finanzierung. Finanztest liefert unter www.test.de/saubere-fonds einen Überblick über die „grünen“ Fonds.
Geldanlage in Mikrofinanzfonds
Manchmal reichen ein paar Samenkörner, eine Rolle Stacheldraht oder eine Kuh, um eine Familie aus Indien, Bolivien oder Peru aus der absoluten Armut zu holen. Schon mit geringen Investitionen kann man beispielsweise eine kleine Landwirtschaft starten, um sich selbst zu versorgen und Überschüsse gegen Bares zu verkaufen. Mikrofinanzfonds unterstützen Menschen, die wegen ihrer Armut keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen in ihren Heimatländern haben. Eine Investition in Mikrofinanzfonds kommt somit Menschen aus unterentwickeltenRegionen von Osteuropa über Asien bis nach Latein-amerika zugute. So genannte Mikrofinanzierungsinstitute, dortige Banken und bankähnliche Einrichtungen, können ihren Kunden dann ein günstiges und bezahlbares Darlehen anbieten mit einem weit geringeren Zinssatz als die herkömmlichen Kreditgeber.
Wie sieht es mit der Rendite aus ?
Immer wieder herrscht die Meinung vor, dass ethisch-ökologische Geldanlagen zwangsläufig den Verzicht auf gute Renditen bedeuten. Auch im grünen Bereich sind sichere Anlagen ebenso zu finden wie riskante, flexible und langlaufende Anlagen. Laut Ökotest gibt es tiefgrüne Fonds, die besser, aber auch schlechter als der Markt abschneiden und umgekehrt. Wie ein Fonds abschneidet, hängt scheinbar weniger von den Nachhaltigkeitskriterien als vielmehr von den sonstigen Managementqualitäten ab.
Einheitliche Bewertungskriterien
Analysten von Umweltfonds, Ratingagenturen und Banken bewerten zwar die ökonomische und ökologische Qualität und das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen mithilfe umfangreicher Fragenkataloge. Im Zuge der steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Fonds ist leider aber auch die Gefahr, an Mogelpackungen zu geraten, recht groß. Nicht alle Bankberater sind gleich gut informiert, wenn es um Nachhaltigkeitsthemen geht. Manche Anbieter sind zu wenig transparent und lassen sich nur schwer in die Karten gucken. Und welcher Laie versteht auf Anhieb die gelieferten Informationen in einem auf über 20 Seiten dichtbeschriebenen Papier? Wesentlich hilfreicher für den Verbraucher wäre ein Gütesiegel für die Branche, das die Auswahl grüner Geldanlagen erleichtert.
Worauf sollten Anleger bei der Auswahl von Fonds/Depots achten?
Ökotest hat einen ersten Versuch unternommen und einen Mindestkriterienkatalog zusammengestellt, um Fonds und Depots bewerten zu können. Geprüft wurde u.a. die Verständlichkeit der Anlagekriterien für den Verbraucher, die eigene Transparenz, ob die ESG-Kriterien (ESG= Environment,Social, Governance) sowie das Researchverfahren (Wie nachhaltig handeln Unternehmen?) eingehalten wurden.
Laut Barbara Sternberger-Frey von der Zeitschrift Ökotest schafften es nach dem Blick ins Depot der insgesamt 73 Anbieterfonds lediglich fünf Fonds, die ethisch-ökologischen Ansprüche auch in der Praxis einwandfrei umzusetzen: GreenEffects NAI-Wertefonds, ÖkoWorld ÖkoVision Classic, Espa WWF Stock Umwelt Fonds, KBC ECO Funds Water und Kepler Ethik-Rentenfonds A. Alle anderen Fonds seien trotz strengstem Auswahlverfahren im Depot äußert fragwürdig. Zum einen, da Aktien und Wertpapiere von Unternehmen stammten, die in schwere Umweltkatastrophen verstrickt sind oder denen schwere Menschenrechtsverletzungen oder unmenschliche Arbeitsbedingungen nachgewiesen wurden. Zum anderen wurden bestimmte Staatsanleihen als korrupt erachtet. In 43 der getesteten Fonds wurden Atomaktien wie z. B. von e.on. gefunden. Alle Testergebnisse unter www.oekotest.de.
Sehr gute Transparenz und ein gewissenhaftes Auswahlverfahren sind offensichtlich keine Garantie für wirklich saubere Depots. Zudem sind große Konzerne heutzutage weltweit so verflochten, dass es Außenstehenden wie z. B. den Nachhaltigkeitsforschern fast unmöglich ist, sämtliche Geschäftstätigkeiten klar nachzuvollziehen. Daher wird gerne eine Toleranzgrenze gezogen, die dann beispielsweise einen Restumsatz in der Atomenergie von 5 Prozent am Gesamtumsatz des Unternehmens erlaubt. Finanztest prüft die Wertentwicklung der Fonds fortlaufend. Anleger können im Fondsfinder unter www.test.de/fondsfinder die aktuelle Finanztestbewertung abfragen. Die Zeitschrift „Finanztest“ oder „Ökotest“ sowie das Internet-Portal „EcoReporter“ (www.ecoreporter.de) liefern zudem weitere und gute Informationen über Anbieter und Produkte.
Zum Weiterlesen
Für Transparenz

Die von der Umweltorganisation Urgewald herausgegebene Broschüre untersucht die Finanzdienst-leistungen elf deutscher Banken für die internationale Atomindustrie: von der Vergabe von Firmenkrediten über die Ausgabe und den Besitz von Anleihen bis zur Ausgabe und dem Besitz von Aktien.
Regine Richter, Barbara Happe, Heffa Schücking: „Wie radioaktiv ist meine Bank?“. Urgewald e.V., Broschüre, 48 Seiten, 4,50 €.
ISBN: 9-783981335163.
Für ein gutes Gewissen

Als Wirtschaftsjournalist beschäftigt sich Stephan Rotthaus seit über 25 Jahren mit grünen Geldanlagen. In diesem Buch deckt er schwarze Schafe und pseudogrüne Angebote auf und informiert umfassend darüber, wie man sein Geld fair und gewinnbringend anlegen kann.
Stephan Rotthaus: „Erfolgreich investieren in grüne Geldanlagen“. Campus Verlag, 207 Seiten, 24,90 €.
Für faires Geld

Ein ideales Basiswerk zum Thema Grüne Geldanlagen – nicht nur für Laien. Abschließend informiert ein tabellarischer Überblick über die Auswahl ökologischer, sozialer und ethischer Kriterien von 49 Fonds-gesellschaften. Dort erfährt der Leser, welche Fonds Ausschlusskriterien wie beispielsweise industrielle Tierhaltung und Tierversuche berücksichtigen.
Anno Fricke: Ratgeber „Grüne Geldanlage“. Stiftung Warentest, 208 Seiten, 16,90 €.
